Dienstag, 27. März 2012

Filme: Unser Leben... ist voller Wunder

Unser Leben

...ist die Fortsetzung von "Unsere Ozeane" und "Unsere Erde" und somit Teil der BBC- Dokumentationsreihe. Dieses Mal dreht sich alles um Eltern und ihre Kinder, um die Tricks, die man sich als Tier so einfallen lassen kann, um an Nahrung zu kommen oder einem geschickten Jäger aus dem Weg zu gehen.
Viele Tiere und ihre aufopfernden oder geschickten Strategien werden betrachtet, so zum Beispiel eine berüsselte Maus, die einen Irrgarten anlegt, in dem sie ihren Jägern entkommen kann, ein Tintenfischweibchen, das für die Sicherheit seiner Kinder den Hungertod stirbt oder eine Kröte, die aussieht wie ein Kiesel und auch genauso rollen kann.
"Unser Leben" lässt uns unsere tierischen Mitbewohner der Erde mit ganz anderen Augen sehen: wie sie leiden, wie sie lernen, wie sie denken, wie sie sterben und wie sie geboren werden. Ihre Intelligenz, ihre Geschicklichkeit, ihre Schönheit und ihre Fürsorglichkeit stehen im Mittelpunkt. Und bei allen Menschen, die jetzt sagen werden "Na klar kann man einen Tintenfisch personifizieren, wenn man seine Geschichte mit möglichst viel trauriger Musik unterlegt"- solche Filme sind wichtig. Vielleicht lassen sie uns mal über unseren überheblichen Tellerrand schauen und erkennen, dass auch Tiere empfindsam sind, dass auch sie sich aufopfern -denn das Leben hat manchmal mehr zu bieten als den bloßen Überlebenskampf-, dass auch sie dazu fähig sind, Werkzeuge zu benutzen und auf eine sehr intelligente Art zu denken. Humorvoll, tragisch, traurig und bombastisch werden in diesem Film die ganz kleinen Geschichten des Lebens erzählt- wie es eben so spielt.
Denn unser Leben ist voller Wunder.
10 von 10 Punkten.

http://www.youtube.com/watch?v=hWidwyemSI8

Filme: Die Welt der Wikinger (National Geographic- Doku)

Die Welt der Wikinger

Eigentlich geht es in dieser zweiteiligen Doku darum, das "Geheimnis" der Wikinger zu lüften: warum galten sie lange Zeit als unbesiegbar? Und so werden Waffen, Rüstungen und Schiffe genauer unter die Lupe genommen, wobei man zu dem Schluss kommt: die Waffen waren mittelmäßig, die Rüstungen schützten auch nicht besser als die anderer Völker- das Geheimnis ihres Erfolges muss also in den Schiffen und dem ganz besonderen "wikingischen" Kampfgeist liegen.
Die Doku gliedert sich ein in zwei Teile namens "Die perfekten Eroberer" und "Der Preis des Erfolges". Die Geschichte der Wikinger wird vernachlässigt -geschichtliche Daten im Mittelpunkt sind vor allem der Überfall auf das Kloster Lindisfarne und die Ankunft in und Vertreibung aus Amerika-, dafür steht das Rätsel im Mittelpunkt, warum die Wikinger solche guten Eroberer waren.
Es werden auf den Spuren der Wikinger Museen in Oslo und Roskilde besucht, Waffen und Rüstungen getestet, Archäologen befragt, Schwerter unter die Lupe beziehungsweise das Mikroskop genommen, alte Siedlungen und Trutzburgen sowie Runensteine besichtigt. Nicht zuletzt werden Schiffe und Kleidung der Wikinger mit heutigen Yachten und Bekleidung verglichen, so steht zum Beispiel ein Wettrennen zwischen einem modernen und einem nachgebauten Wikingerschiff an und die Isolierfähigkeit von heutiger zu wikingischer Kleidung wird verglichen.
Eine ganz interessante Doku, die einem zwar nicht gerade ein sehr detailliertes Bild vom Leben eines Wikingers oder einen historischen Hintergrund vermittelt, dennoch aber mit archäologischen Tatsachen einhergeht und aus heutiger Sichtweise interessante Rätsel auf moderne Weise zu lüften versucht. Was etwas nervt, das sind die paar Leute, die sich Wikingersachen angezogen haben und brüllend aus Booten hopsen oder sich mit Schwertern prügeln. Es ist ja ganz gut, wenn man historische Geschehnisse nachspielt, aber immer die selben acht Leute? Und immer die selben Aufnahmen hintereinander? Entschuldigung, aber eine Handvoll bunt gekleideter Männer herumrennen zu sehen, während der Erzähler einem von der Übermacht der Wikinger berichtet, ist nicht sehr überzeugend.
Nichtsdestotrotz eine gute Doku. 7 von 10 Punkten.


Samstag, 17. März 2012

Filme: Die drei Musketiere (2011)

Die drei Musketiere

Weshalb mögen den so viele Leute?

Nun, ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden. Alles in allem lässt sich meine objektive, faire Meinung ungefähr so ausdrücken: was für ein Scheißfilm.
Der puppengleich aussehenden, hübschen Königin von Frankreich sind aufgrund einer Intrige die Kronjuwelen gestohlen worden, die sie an einem Ball, der in fünf Tagen stattfindet, tragen soll, um dem König ihre Treue zu beweisen. Allerdings kann sie das nicht, wenn das Geschmeide nicht da ist. Deswegen brechen die Musketiere in Begleitung mit dem Milchbubi d'Artagnan nach England auf, wo sich die Juwelen befinden, und bringen diese zurück. Dazwischen gibt es noch elegante Kampf- und Akrobatikeinlagen von sexy Spioninnen und geschniegelten Recken, romantische Kussszenen, "große und tiefsinnige Momente", Fechteinlagen und Kämpfe mit/in/auf riesigen, "historischen Flugschiffen" (WTF?).
Schön, der Film soll witzig sein, zumindest teilweise. Und ein wenig moderne Interpretation kann ja nie schaden. Aber, und das ist das wahrlich Erschreckende: zum Großteil ist er bitterernst gemeint.
Und dazu kann ich nur sagen: BWAHAHAHA! Was für ein Reinfall.
Nun gut, ich hätte es mir denken können, da der Streifen mir von den falschen Personen empfohlen wurde. Dennoch bin ich mehr als nur enttäuscht. Die Damen haben allesamt bis unters Kinn aufgepushte Brüste und sind auf ihre körperliche Bedeutung reduziert, sämtliche Personagen und Hintergründe sind immer fein säuberlich geschniegelt und glänzend ("Das sind die einzigen Kleider, die ich habe!"...mhm...), die Darstellungen sind einfach bloß unauthentisch und unglaubwürdig, es folgt ein dämlicher Moment auf den nächsten. Alles ist komplett übertrieben und absoluter Schwachsinn, strikt nach dem Leitsatz mehr ist mehr ist mehr ist mehr. Explosionen, Übertreibungen, Sinnlosigkeiten, hauptsache Effekte, hohle Story, hohle Personen, ein dummer Fettwanst, der den Kasperl spielt... gähn.
Absolut nicht sehenswert; weder witzig noch spannend noch bewegend noch interessant, sondern nur langweilig, lächerlich und erbärmlich. Gut, es kommen ein paar coole Effekte vor (zumindest vom Optischen her recht ansprechend), aber das war dann auch schon alles. Hier werden Stürze aus Kilometerhöhe überlebt, Milchbubis als gelernte Fechter dargestellt, dumme Klischees aufgewärmt... die Lausigkeit des Filmes lässt sich erst nachvollziehen, nachdem man ihn gesehen hat. Viel Spaß.
Wenn dieser Film ein Prädikat verdient hat, dann ganz bestimmt "affig", wobei "dümmlich" auch recht passend wäre. Dennoch fängt "affig" sehr gut die Wirkung von "Die drei Musketiere" auf den bemitleidenswerten Zuschauer ein: es ist, als ob man mit einer Banane langsam hirntot gekloppt wird, während einem das Gesicht mehr und mehr  zu einer undefinierbaren Grimasse einschläft.
Der Trailer mag übrigens einigermaßen episch sein, der Film ist ein Tummelplatz von Dummheit, der keinen einzigen wirkungsvollen Moment beinhaltet.
2, 5 Punkte von 10.

 http://www.youtube.com/watch?v=DfHa9VEuaS0

Freitag, 16. März 2012

Filme: The Debt

The Dept- Eine offene Rechnung

(SPOILER)

Drei jüdische Agenten, Überlebende des Holocausts, treffen in Ost-Berlin des Jahres 1966 aufeinander. Ihr Ziel: den Nazi- Verbrecher Dieter Vogel, der im KZ Birkenau den "Chirurgen" mimte und grausame medizinische Verbrechen an jüdischen Gefangenen durchführte, zu entführen und nach Israel zu bringen.
Vogel, der inzwischen unter falscher Identität als Frauenarzt in Ostberlin  arbeitet, wird während einer waghalsigen Täuschungsaktion entführt, doch die Entführung läuft schief: eine Grenzwache stirbt durch den Schuss eines der jüdischen Agenten.
Der "Chirurg" wird von nun an in der heruntergekommenen Unterkunft der drei Freunde gefangen gehalten, bis sich ein Ausweg aus der Situation bietet, denn Rachel, die den weiblichen Teil der kleinen Gruppe darstellt, wurde von der Polizei erkannt und kann sich deswegen nicht mehr auf die Straße wagen, die ausländischen Verbündeten verweigern ihre Hilfe aufgrund des Totschlags der Grenzwache.
Es entwickelt sich eine psychisch äußerst anspannende Situation, während derer Vogel in der Wohnung gefangen gehalten wird und, zwischen Verzweiflung und Hass hin- und hergerissen, abwechselnd schmeichelt und über das jüdische Volk lästert. Doch eines Tages gelingt es Vogel, zu fliehen...
Gekoppelt ist dieser Handlungsstrang mit einem weiteren, der in der heutigen Zeit spielt. Rachels Tochter Sarah veröffentlicht ein Buch über die Großtat ihrer Mutter, die sich an dem Mörder ihrer Eltern rächte und ihn bei seinem Fluchtversuch aus der Wohnung angeblich erschoss. Allerdings erfährt man im Rückblick, dass Vogel entkommen konnte und immer noch auf freiem Fuß ist; dreißig Jahre lang haben die drei, die ihn eigentlich überführen sollten, gelogen, was ihre Mission angeht. Und nun, nachdem sämtliche Beteiligten alt geworden sind, begeht einer der Agenten Selbstmord aus Unfähigkeit, Vogel vor Gericht zu stellen, der andere sitzt im Rollstuhl. Und so sieht sich Rachel gezwungen, nach all den Jahren ihre Mission zu erfüllen, die Premiere des Buches ihrer Tochter und das Schicksal ihrer beiden Freunde lassen ihren Gefühlen keine Ruhe: sie ist dazu verpflichtet, Vogel zu finden- und zu töten, bevor ein Reporter ihn interviewen und herausfinden kann, dass die Geschichte der drei Freunde erlogen war.
Und tatsächlich macht Rachel Vogel in einem Krankenhaus in Osteuropa ausfindig, es kommt zu einem letzten Kampf, während dem beide, Rachel und Vogel, ihr Leben lassen. Und dennoch findet oben genannter Reporter einen Brief, den Rachel an ihn gerichtet hat und in dem sie ihn bittet, die wahre Geschichte an die Öffentlichkeit zu bringen. Zwar -und das ist etwas, das vom Film vollkommen unterschlagen wird- interessiert es nach so vielen Jahren keinen mehr, was tatsächlich aus Vogel geworden ist, bis vielleicht auf Sarah und einige Israeliten, die es aber nie erfahren werden, weil solch eine Neuigkeit keine Schlagzeilen machen wird- aber lassen wir das mal außer Acht, damit es dramatischer ist.
Alles in allem ein spannender, sehr guter Film mit Jessica Chastain als wunderhübsche, in ihrer Rolle überzeugend dargestellte Rachel und einer fesselnden Geschichte. Ich liebe die Szene, die dem Zuschauer verrät, dass Vogel nie erschossen wurde, als man im Rückblick Rachels wahre Erinnerung sieht und nicht jene, die für die Öffentlichkeit bestimmt ist; diese Szene ist exakt wie die offizielle Version der Geschichte, die man am Anfang des Films während einer Vorlesung bei der Buchpremiere schon einmal gesehen hat, nur dass Vogel am Ende entkommt. Ein wahrer Gänsehaut- Moment. "The Debt / Eine offene Rechnung" ist ein schöner, harter und zugleich weicher Film, der überrascht und die Welt nicht in schwarz und weiß aufteilt.
7, 75 Punkte von 10 bekommt dieser Film von mir.

http://www.youtube.com/watch?v=kvDrGu6l94Q

Donnerstag, 15. März 2012

Filme: Freunde mit gewissen Vorzügen

Freunde mit gewissen Vorzügen

Nun ja. Manchmal wird man eben dazu gezwungen, sich Dinge anzusehen, denen man eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Etwas mehr als anderthalb Stunden zieht sich dieser Streifen in die Länge wie Kaugummi, wobei anderthalb Stunden für die heutigen Standarts eigentlich eher ziemlich knapp bemessen sind. Anderthalb Stunden "Freunde mit gewissen Vorzügen" allerdings fühlt sich an wie eine halbe Nacht, die man mit Kopfschmerzen in Begleitung einiger alter Chips zwischen Sofa und Wand verbringt.
Justin Timberlake und Mila Kunis glänzen in ausgesprochen flachen und nervtötenden Rollen, denen man 90 Minuten lang beim Rumvögeln und Streiten zusehen darf. Nun, das wäre auch nicht so schlimm, wäre die solariumgebräunte, glubschäugige, breitgesichtige, quiekende, hohle, dämlich lachende, tussige weibliche Hauptfigur ("Was für eine Fuckspackhacksacktussi", so mein Vater) nicht vorhanden, deren Persönlichkeit vor allem durch das Nichtvorhandensein eines nennenswerten Charakters glänzt. Doch im heutigen "Ganz Großen Kino" zählen stressige, hysterische Frauen, die ständig Terror machen und total "crazy" und "ausgeflippt" sind, weil sie in der Öffentlichkeit eine allumfassende Dummheit zu Tage legen, eben als Traumfrauen- warum auch immer.
Hier sei die umwerfend kreative Storyline des Films genannt: nervtötende Modezicke und oberflächlicher Schnulzbolzen begegnen sich, freunden sich an, haben Sex mit dem Vorsatz, sich nicht ineinander zu verlieben, verlieben sich, streiten sich, trennen sich, versöhnen sich, kommen zusammen. Yay.
Und dann gibt es sogar noch richtig bewegende Passagen, die den Film zu einem wahren Meisterwerk und einem Sammelsurium an Tiefsinnigkeit machen, wenn man zum Beispiel erfährt, dass Oberflächlicher Schnulzbolzen als Kind gestottert hat, weil er es ja so schwer hatte mit seinem riesigen Haus am Meer, heul heul. 
Ein absolut oberflächlicher, unreflektierter Teeniezicken- Film und reine Zeitverschwendung.
Es ist nicht einmal was Neues.
3 Punkte für diesen erbärmlichen, total übertriebenen, unglaubwürdigen und nicht süßen, romantischen oder beeindruckenden Schwachsinn. Freunde mit gewissen Vorzügen, Filme mit gewissen... Nachteilen.

Und ja, der Film ist noch schlechter als der Trailer.

http://www.youtube.com/watch?v=9sy_A4VhTuI&ob=av3e

Mittwoch, 14. März 2012

Filme: East is East

 East is East

Wir haben alle schon genug Filme über Einwandererfamilien in fremden Ländern gesehen, und dieser hier ist auch nicht in besonderem Maße anders als die meisten. Der einzige Unterschied, der zwischen "East is East" und den typischen "Pakistani-in-England"-Filmen besteht, ist, dass es sich dieses Mal um eine englische Frau dreht, die mit einem Mann aus Pakistan verheiratet ist und sieben Kinder mit ihm hat.
Wie aber bringt man die Verantwortung für Nachkömmlinge, die sich eher der britischen als der orientalischen Kultur zugehörig fühlen und die Interessen des recht konservativen Ehemannes unter einen Hut? Wie lange kann man verstecken, dass die Kinder in Abwesenheit des Vaters Speck und Würstchen essen und mit britischen Mädchen anbandeln?
"East is East" zeigt beides: die brutalen, gewalttätigen und traurigen Seiten eines solchen Lebens und die zärtlichen, rührenden, die von einem starken Zusammenhalt geprägt sind. Die Autorität und die Verweigerung. Arrangierte Ehen und die Flucht in die Freiheit. Zwischen den Kulturen gefangen sind hierbei alle Figuren des Films, und am Ende gibt es sogar so etwas wie ein Happy End- wenn erst einmal die Kapuze oder die Sichtweise, in die man hineingewachsen ist, abgelegt werden kann, eröffnet sich einem eben ein sehr viel breiteres Blickfeld.
"East is East" ist sanft, barsch und total übertrieben. Fragt sich nur, ob das positiv ist.
Ich mochte in der Hinsicht "The Namesake" und sogar "Kick it like Beckham" lieber- und es gibt vieles, was ich "Kick it like Beckham" vorziehe.
Deswegen vergebe ich an den Film 6, 25 von 10 Punkten.

http://www.youtube.com/watch?v=yfoqUY0KwfQ

Bücher: Heinrich von Kleist- Michael Kohlhaas

Heinrich von Kleist- Michael Kohlhaas

"Oh mein Gott wie schreibt denn der."-"Also, ganz im Ernscht, der war doch vollkommen balla-balla, odda?"- "Ähhh, der war echt krang im Kopf, der Heinrich von Kleischt, der war echt geischtig voll hintendran geblieben so Sätze wie der schreibt kann man doch echt nur blöd im Hirn sein." - "Der isch voll dumm weil ich verschteh des Deutsch nit des der schreibt."
Das sind so die allgemeinen Auffassungen armer, geplagter, intellektueller (^^) Abiturienten, die sich mit diesem Sternchenthema auseinander setzen müssen oder mussten. Mal ganz abgesehen davon, dass die Aussage "Ich glaub, der war dumm, weil ich sein Deutsch nit versteh" nicht gerade zu den intelligentesten gehört, glaube ich, dass der Großteil der jungen Leser einfach nicht versteht, worum es in diesem Buch geht. Klar, es ist umständlich geschrieben und Kleist neigt zu Schachtelsätzen und sehr altmodischer Schreibweise. Aber das liegt, und man verzeihe mir, nicht daran, dass er dumm ist (ich wusste auch gar nicht, dass gutes Deutsch ein Anzeichen von Dummheit ist... aber ich bin eben etwas ungebildeter als der durchschnittliche Jugendliche), sondern dass er in einer Zeit gelebt hat, wo man eben so geschrieben hat. Und das ist alles. 
Außerdem spielt das Geschehen im 16. Jahrhundert. Da wäre eine moderne Sprache so oder so nicht gerade angemessen.
Nichtsdestotrotz, Kohlhaas ist kein unverständliches Werk eines geistig Zurückgebliebenen, sondern ein großes Manifest der deutschen Sprache. Es ist die Geschichte eines Mannes, der aus Rechtsgefühl das Recht übertritt, der aus Rache ein ganzes Land in Schutt und Asche legt, die Geschichte eines Einzelnen, der nur bekommen möchte, was ihm zusteht und dafür all seinen Besitz, das Leben seiner Frau und sein eigenes opfert- und dafür Vergeltung fordert.
Das tragische Geschehen beginnt mit der schlichten Begebenheit, dass Kohlhaas zwei seiner Pferde bei der Tronkenburg zurücklassen muss, die Tiere dienen als Pfand für einen Passierschein, den Kohlhaas nicht dabei hat und nun einfordern will. Nachdem sich herausgestellt hat, dass der Passierschein erfunden wurde, um Kohlhaas das Geld aus der Tasche zu ziehen, versucht er, wieder in den Besitz seiner Rappen zu gelangen, was ihm allerdings schier unmöglich ist. Selbst offizielle Ersuchungen und alles bürokratische Verhandeln helfen ihm nicht dabei, an sein Recht zu gelangen, und schon sieht er sich, einfach aus Gerechtigkeitsgefühl heraus, gezwungen, Haus und Hof zu verkaufen, um wieder in den Besitz der Tiere zu gelangen. Diese Sturköpfigkeit verstört seine Frau Lisbeth, die sich daraufhin selbst aufmacht, um mit dem Fürsten auf der Tronkenburg in Ruhe zu sprechen. Von seinen Soldaten wird sie dergestalt misshandelt, dass sie noch am selben Tag stirbt- und jetzt bricht das bisher schlafende Untier aus Kohlhaas heraus und er wird angesichts des Todes seiner treuen Frau zum Brandstifter und Massenmörder.
Es gibt nun keine logischen Schlussfolgerungen mehr für ihn, nicht einmal die Unschuldigen verschont er jetzt noch, als er und seine Gefolgsmänner sich mit Fackeln und behelfsmäßigen Waffen daran machen, die Tronkenburg zu überrennen und keinen Einzigen am Leben zu lassen. Bald entwickelt sich ein Gefecht zwischen Kohlhaas und dem Staat und immer mehr Männer schließen sich seinen Gefolgsleuten an. Ein ums andere Mal besiegen die Rächer der Unterdrückten wahre Übermachten. Das ganze Land wird in Schutt und Asche gelegt, Klöster, Städte, Kirchen brennen, Menschen sterben in der ohnmächtigen, hartherzigen Glut Kohlhaas' Zorn. Bis ihn schließlich ein Aufruf Martin Luthers wieder in die Wirklichkeit zurückbringt und er erkennen muss, was er getan und wie viel er zerstört hat; von nun an fügt er sich in die Gewalt des Staates, der ihn nun unerbittlich zwischen seinen Rädern zerquetscht.
Wäre da nicht die Prophezeiung der alten Zigeunerin, hätte Kohlhaas wohl nie über den Kurfürsten von Sachsen gesiegt, doch aufgrund einer geheimnisvollen Tatsache, die der Kurfürst nie erfahren wird, kann Kohlhaas lachend sterben. Und so nimmt die uralte Geschichte um den bösen Machthaber und den kleinen Rebellen ihr ewiges Ende: obgleich der Held stirbt, bleibt der Welt doch von ihm die größte Erinnerung; und seine Kinder und Kindeskinder pflanzen sich über Jahrhunderte hinweg fort. Der Mächtige aber verliert schon bald nach der Hinrichtung seines Feindes seinen Einfluss und seine Macht und reiht sich somit in die verstaubte Reihe der vergessenen Großen ein.

Michael Kohlhaas ist eine historische Person, die leider heute größtenteils in Vergessenheit geraten ist. Kleists Roman schildert eindringlich die Entwicklung von dem braven, gottesfürchtigen Rosshändler zum Erzengel der Rache und des Feuers, und wer jemals den Film "Braveheart" gesehen hat, wird zwischen den Zeilen Kleists die Figur des William Wallace wiederfinden- zumindest ansatzweise.
Dieser Roman ist ein sprachliches Meisterwerk -wenn auch anstrengend zu lesen- mit schöner Geschichte und einigen erfundenen Strängen, zum Beispiel die Rolle der Zigeunerin. Dennoch ist die Geschichte Kohlhaas' tragisch, bestürzend, deprimierend und zugleich hoffnungsvoll, denn, wie ein Lied über den historischen Kohlhaas im hinteren Teil des Buches verkündet:

"Sie konnten Hans Kohlhas wohl richten
vom folterrad rann sein blut in den sand...
doch aufs eherne rad der geschichte
sind herren und henker selber gespannt.
Das volk wurde mächtig im lieben und hassen.
Der gerechte ist niemals verlassen."

Dieses Lied entstand erst im 20. Jahrhundert und beweist somit eindringlich, wie sehr wir Gestalten und Helden wie Kohlhaas auch heute noch brauchen und uns ersehnen. Denn, ja- er war ein Held. Auch wenn durch seine Taten viel Blut floss, welches ohne ihn nicht geflossen wäre. Doch das nennt man Revolution.
Ein einziger Satz ist auf der Rückseite des Buches, anstatt eine ellenlange Beschreibung der Romanhandlung, zu finden, und dieser beschreibt meiner Meinung nach perfekt die ganze Atmosphäre der altüberlieferten Geschichte:
"Doch sein Rechtgefühl, das einer Goldwaage glich, wankte noch."
Heinrich Kleist, "Michael Kohlhaas", 1810

6 von 10 Punkten. Für Intention, Handlung und Sprachgefühl.

"An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit. - Dieser außerordentliche Mann würde, bis in sein dreißigstes Jahr für das Muster eines guten Staatsbürgers haben gelten können. Er besaß in einem Dorfe, das noch von ihm den Namen führt, einen Meierhof, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte; die Kinder, die ihm sein Weib schenkte, erzog er, in der Furcht Gottes, zur Arbeitsamkeit und Treue; nicht einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit, oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz, die Welt hätte sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte. Das Rechtgefühl aber machte ihn zum Räuber und Mörder."